Heul nicht, mach doch!

Deine Ideen warten darauf, umgesetzt zu werden. Hol dir Motivation & praktische Tipps für dein Passion Project.

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Heul nicht, mach doch!

Heute geht’s hier um Personal Branding. Warum? Weil ich Personal Branding super spannend finde und war ein bisschen frustriert war, weil man dazu gefühlt keine guten Anleitungen dazu findet. Da war immer so viel Fluff dabei… Da gerade Passion Projects – um die es hier ja geht – ein riesiges Potenzial für Personal Branding bieten, schauen wir uns das in dieser Folge mal genauer an.

Podcastfolge anhören – oder weiterlesen:

Letztes Jahr gab es schonmal eine Podcastfolge mit Bianca, der Groschenphilosophin (Die ist nämlich auch eine super Personal Brand!) Bei der Passion Project Summer School hat sie darüber auch gesprochen. In unserer Folge haben wir uns eher angeschaut, wie andere das machen. Ein richtiges How-to oder ein Tutorial waren aber nicht dabei. Ich kann auch nicht versprechen, dass das hier jetzt einem richtigen How-to gleichkommt. Ich möchte aber auf jeden Fall ein paar Gedankenanstöße zum Thema Passion Project plus Personal Brand liefern.

Nochmal kurz zur Erinnerung…

Ein Passion Project ist für mich ein Projekt, das man einfach so macht, weil man Lust darauf hat. Zum Beispiel kann man einen Blog über ein Thema schreiben, das einen interessiert, oder ein Meet-up in der Stadt organisieren, um sich mit Gleichgesinnten zu vernetzen. Es geht bei einem Passion Project nicht darum, dass man ein Business aufbaut, also dass du dich selbstständig machst mit einem Thema, für das du brennst. Das bedeutet aber nicht, dass aus einem Passion Project kein Business entstehen kann oder es deiner Karriere nicht helfen kann. Es ist durchaus möglich, über das Passion Project neue Dinge zu lernen, Jobs zu finden und Aufträge zu bekommen.

Einstieg ins Personal Branding

Das Thema Personal Branding ist relativ neu. 1997 wurde im Forbes Fast Company Magazine ein Essay namens „The Brand Called You“ veröffentlicht. Darin hat der Autor Tom Peters zum ersten Mal die Idee übertragen, dass das, was für Firmen im Bereich Branding funktioniert – er nannte Starbucks und Nike als Beispiele – auch für Personen funktioniert.

Sprich, wenn wir an Starbucks denken, haben wir alle Bilder vor Augen, haben Emotionen und Erinnerungen und sagen entweder: „Oh, Starbucks – voll toll! Herbst, Pumpkin Spice Latte, voll gut. Da muss ich bald wieder hin!“ oder wir denken: „Boah, voll overrated. Der Kaffee ist voll überteuert. Die Atmosphäre gefällt mir nicht. Ich geh lieber in kleine unabhängige Coffee Shops statt in eine Kette.“ Das kommt jetzt darauf an, ob du Starbucks magst oder nicht.

Bei Gefühlen für Marken kann sogar ein richtiger Konkurrenzkampf entstehen. Man denke an so etwas wie Burger King vs. McDonalds oder Cola vs. Pepsi oder iPhone vs. Android. Man kann eine richtige Identifikation entwickeln und das jeweils andere dann ablehnen.

Diese Personal Brands kennst du auch:

Dieses Prinzip, das du von dir selbst kennst, dass du manche Marken gerne unterstützt oder einfach eine Beziehung zu denen hast, überträgt man bei Personal Branding auf Personen. Auch da gibt es verschiedene Beispiele aus dem Unternehmertum, z.B. Steve Jobs oder Elon Musk. Die findet man entweder total toll und visionär oder man denkt, das sind irgendwelche Nerds und Spinner. Oder Gary Vee, wenn du dich für Online Business interessierst – du liebst ihn oder du hasst ihn.

In der Unterhaltungsbranche hat z.B. Heidi Klum es geschafft, sich selbst zu einer richtigen Marke zu machen: Sie ist mehr als nur ein Model. Wenn sie „nur“ ein Model wäre, wäre ihre Karriere schon längst vorbei, aber sie ist mittlerweile noch viel mehr. Sie ist das Gesicht von Germany’s Next Topmodel, in Amerika ist sie auch in TV-Formaten unterwegs, sie arbeitet als Schauspielerin, tritt in Werbekampagnen auf, hat Produkte wie ihre Kollektion bei LIDL. Sie macht total viel und auch bei ihr ist es so, dass man sie entweder hasst oder liebt, aber auf jeden Fall weiß man, wer sie ist und wofür sie steht.

Bei Journalist*innen funktioniert das auch sehr gut. Bei Jan Böhmermann weiß man, wer er ist, was er macht, was seine Themen sind und wie seine Art ist. Auch Politiker*innen wie Angela Merkel kennt jeder – nicht nur durch ihre Merkelraute oder gewisse Aussprüche von ihr. Boris Palmer ist ebenfalls über Tübingen hinaus bekannt, weil er sehr kontroverse Aussagen gemacht hat, als Hardliner der Grünen gilt und Kontroversen anstößt. Im Vergleich zu anderen Bürgermeistern ähnlich großer Städte hat er einen sehr viel höheren Bekanntheitsgrad.

Ein Personal Branding zu haben bedeutet, dass man einen Ruf hat, dass Leute wissen, was man macht, was man kann und was nicht, und vor allem, wie man es macht. Jan Böhmermanns Humor ist sehr speziell – entweder man findet ihn toll oder blöd. Und im letzteren Fall findet man damit auch Jan blöd.

Google: How to Personal Brand …

Wenn man nach dem Thema Personal Branding googelt, findet man sehr viele Blogartikel mit oberflächlichen Infos, die sich in der Regel an Selbstständige richten.

Nehmen wir mal zum Beispiel an, dass ich eine „Expertin für Inneneinrichtung“ bin. Ich würde mich jetzt so branden, dass die Leute wissen, dass ich für eine bestimmte Art von Inneneinrichtung stehe, dass ich eine bestimmte Art von Kunden und Kundinnen sehr gut unterstützen kann. Das würde dafür sorgen, dass die Kund*innen, mit denen ich gerne zusammenarbeiten würde, mich kennen und mich buchen, damit ich nicht ständig Werbung schalten und Akquise betreiben muss. Das ist das Ziel von Personal-Branding-Infos für Selbstständige, beschreibt aber nur einen kleinen Teil dessen, was man mit Personal Branding erreichen kann.

Wie man definitiv nicht eine Personal Brand wird? Indem man sich einfach selbst Expert*in nennt! Man muss dafür schon arbeiten und „Beweise“ haben. Wenn du einfach nur sagst „Ja hallo, ich bin die Kato, ich bin voll toll“ wird das nicht funktionieren. Die Leute nehmen dich dann nicht ernst. Du musst handfeste Beweise vorbringen, dass du von diesem Thema Ahnung oder jene Fähigkeit hast – oder einfach lustig bist. Ich kann nicht einfach sagen „Ich bin Kato und ich bin ab jetzt ein total witziger Comedian.“ und dann nie irgendwelche lustigen Witze erzählen. Dann wird keiner denken, dass ich witzig bin. Das ist eigentlich logisch, aber auch die Krux an der Sache. Du musst halt etwas machen und das tun viele Leute nicht. #heulnichtmachdoch

Was Personal Branding dir bringt

Der größte Nutzen einer Personenmarke bezieht sich auf die Karriere, aber es gibt verschiedene Facetten. Wenn man sich selbst als „Expert*in“ positionieren will, hilft es einem, das als Personenmarke zu tun.

Ein Beispiel ist Madame Moneypenny aka Natascha Wegelin, bei der es um finanzielle Unabhängigkeit und finanzielle Bildung für Frauen geht. Natascha hat eine sehr bestimmte „Hau drauf“-Art, ist sehr direkt und gegen Ausreden. Mir gefällt das, aber es gibt natürlich auch Leute, die das zu unfreundlich und direkt finden. Die Menschen würden sich für das Thema dann lieber eine Ansprechpartnerin suchen, die eine „Alles wird gut“-Einstellung hat.

Wenn ihr heimlich auf TrashTV wie das Dschungelcamp oder Love Island steht, kennt ihr bestimmt eine Journalistin namens Anja Rützel. Das ist die, die immer die Besprechungen der Episoden schreibt, die am nächsten Tag bei Spiegel Online und Co erscheinen. Anja Rützel hat sich als freiberufliche Journalistin eine Nische für TrashTV gesucht und ist darin sehr gut. Sie schreibt wahnsinnig witzig, kann sehr gut beobachten und das unterhaltsam zusammenfassen. Wenn Spiegel Online die Artikel dann auf Facebook teilt, lese ich darunter oft Kommentare wie: „Ich sehe die Show gar nicht. Ich lese nur die Zusammenfassungen von Anja Rützel, weil die so lustig sind.“ Ich habe mal einen politischen Artikel (ich glaube im Fluter?) gelesen und mir kam der Schreibstil bekannt vor. Und siehe da – der Text war auch von Anja Rützel! Sie schafft es, nicht nur in ihrer Nische festzuhängen, sondern auch seriösere Themen zu bearbeiten und trotzdem ihren markanten Schreibstil beizubehalten.

Auf diese Weise kann man an Aufträge kommen. Anja Rützel wird bessere Chancen haben, einen neuen Auftrag für Besprechungen von Trash TV zu bekommen als eine völlig unbekannte Journalistin, die so etwas noch nie gemacht hat.

Jetzt schon an (die Brand von) morgen denken

Es ist sehr spannend, sich schon zu branden, wenn man noch im Studium, der Ausbildung oder einem Arbeitsverhältnis steckt und an später denkt. Es ist ein Irrglaube, dass Personal Branding erst beginnen kann, wenn man schon ein Business hat und genau weiß, was man machen will. Mit einer Personal Brand kann man sich auch als junge Person abheben, wenn es z.B. darum geht, sich für einen Job oder ein Masterstudium zu bewerben.

Als Beispiel fällt mir da Yasmine auf Instagram (@ceremonialsofasavage) ein. Sie ist Nachwuchsjournalistin, sehr jung und macht schon super viel! Sie schreibt zu gesellschaftlichen und politischen Themen u.a. für die taz. Gerade wechselt Yasmine ihren Studiengang zu Wirtschaftsjournalismus, also wird es sicher noch drei Jahre dauern, bis sie voll als Journalistin arbeiten kann. Sie ist aber jetzt schon als Autorin aktiv (quasi als Nebenjob) und macht das ganz fantastisch, so dass man sie jetzt schon mit politischen, sozialwissenschaftlichen und gesellschaftlichen Themen in Verbindung bringt, obwohl sie noch gar nicht so weit ist, als Journalistin so verbürgt zu sein wie Anja Rützel. Dabei verlässt sie sich natürlich nicht nur auf ihre Aufträge für Magazine, sondern ist stark auf Instagram aktiv und hat neuerdings einen Politik-Podcast.

Im Gegensatz zu vielen anderen in ihrem Alter und ihrer Situation weiß Yasmine schon genau, was sie will und agiert danach. Dazu gehört auch ein Stück weit das Selbstbewusstsein, etwas zu machen bevor man ein Stück Papier an der Wand hängen hat, auf dem Bachelor oder Master oder Diplom oder Zertifikat steht. Sie macht einfach (#heulnichtmachdoch) und ich bin mir sicher, dass ihr das auch hilft, wenn sie nach Aufträgen sucht.

Personal Branding nicht nur für Selbstständige

Außerdem gibt es ja noch die Corporate Influencer. Bekannt dafür ist die Telekom: Die stecken viel Energie in den Aufbau von Corporate Influencern, die deren Arbeit sichtbar machen, darüber twittern, auf LinkedIn und Insta aktiv sind oder Blogposts schreiben. Sie machen das nicht als Privatperson, sondern als Angestellte der Telekom und berichten über ihre Meinung oder etwas, das sie erlebt haben.

Hier Linktipps über die Corporate Influencer der Telekom:

Der magentafarbene Konzern ist dabei natürlich nicht allein, auch andere große Unternehmen wie Microsoft fördern die Sichtbarkeit ihrer Mitarbeiter*innen.

Im besten Fall ist so etwas eine Win-Win-Situation, weil einerseits die Einzelperson in einer bestimmten Nische bekannt wird und über ihr Thema redet und andererseits das Unternehmen davon profitiert, weil damit sichtbar wird, dass es ein Unternehmen mit fähigen Mitarbeitern ist und es Spaß macht, dort zu arbeiten. Wenn die Person ihren Job dann doch einmal wechseln möchte, hat sie es viel einfacher, weil man sie schon kennt und sie nicht das klassische Bewerbungsverfahren absolvieren muss. Im besten Fall hat die Person sich ein Netzwerk aufgebaut und eine gewisse Reichweite. Wenn sie dann bekannt gibt, dass sie ein neues Projekt sucht, ergeben sich darüber vielleicht direkt Jobangebote oder Kontakte, an die man sonst nicht gekommen wäre.

Die Moral von der Geschichte: Personal Branding ist nicht nur für Freelancer und Coaches, sondern auch für viele andere Felder sinnvoll. Im persönlichsten Fall baut man sich einfach eine Personal Brand auf, ohne dass man dabei schon an einen Job oder Aufträge denkt. Auch wenn man z.B. als Buchhalter*in arbeitet, kann man nebenbei seiner Passion folgen und sich als Umweltaktivist*in branden, obwohl kein Zusammenhang besteht.

Wie wird man zu einer Personal Brand?

Wenn du dir Beiträge zu dem Thema ansiehst, wirst du immer dieselben Tipps bekommen: Du sollst du selbst sein, schauen, was dich ausmacht und Teile davon hervorheben.

Du überlegst dir also deine Werte, was dir wichtig und was dein Thema ist. Was ist z.B. eine Ungerechtigkeit, zu der du dich engagieren möchtest?

Dann überlegst du dir eine Art dazu: Bist du eher witzig und sarkastisch oder süß und herzerwärmend? Bist du der klare, objektive Fels in der Brandung oder die Rebellin?

Anschließend überlegst du dir einen visuellen Stil: Was sieht man für Merkmale? Das kann ganz grundsätzlich sein. Lina vom littlefeministblog benutzt in ihren Instagram Stories bestimmte Filter und viele Sticker, sodass alles ganz bunt ist, während bei Yasmine immer alles elegant ist mit Beige und Weiß und Goldakzenten. Alles sieht sehr ruhig aus. Man kann sich aber auch konkrete Merkmale überlegen: Dass man z.B. immer eine rote Brille aufhat oder immer ein bestimmtes Schmuckstück trägt oder immer in einer bestimmten Farbe gekleidet ist. Das kann aber auch ein bestimmter Dialekt sein, oder dass man bestimmte Wörter immer wieder benutzt und quasi Catchphrases etabliert.

Es kann sein, dass man einen Sidekick hat wie einen Hund oder andere Personen, die immer wieder auftauchen. Oder dass man einen Spitznamen hat. Merve bloggt seit Jahren als Primamuslima und wie bei der Groschenphilosophin kann man den Namen stellvertretend für die Person benutzen.

Daraus können sogar Insider oder Memes entstehen. Die Verbindung zwischen Jan Böhmermann, Erdogan und der Ziege ist vielen Leuten bekannt und muss nicht immer wieder neu erklärt werden. Das schafft dann auch ein Zugehörigkeitsgefühl bei Leuten, die wissen, worum es geht.

Bei Influencern lernt man oft nicht nur die Person an sich kennen, sondern auch deren Freunde und Familie und wird in deren Welt mitgenommen. Es geht um Kontinuität und darum, dass es nicht steril ist. Vorhin hatte ich das Beispiel einer Inneneinrichterin genannt. Diese könnte zum Beispiel die Farbe Grün lieben und als Merkmal deshalb immer Pflanzen in ihre Designs einbauen oder immer einen grünen Schal oder eine Kette tragen. Sowohl charakterlich als auch visuell hat man dann Erkennungsmerkmale.

Wichtig ist dann, dass die Leute von dir erfahren müssen. Es bringt nichts, seine Werte und Inhalte zu definieren, wenn dann niemand von einem erfährt. Die richtigen Leute müssen von dir erfahren – nicht möglichst viele. Es geht nicht darum, Lifestyle-Influencer*in zu werden, um 250.000 Follower bei Instagram anzuhäufen und Produkte zugeschickt zu bekommen.

„The key to any personal branding campaign is word-of-mouth marketing. Your network of friends, colleagues, clients and customers is the most important marketing vehicle you got. What they say about you and your contribution is what the market will ultimately gauge as the value of your brand. So the big trick to building your brand is to find ways to nurture your network of colleagues consciously. “

(Tom Peters, The Brand Called You)

Sprich: ich bin diese Inneneinrichtungstante, aber niemand weiß, dass ich toll in Inneneinrichtung bin und immer grüne und organische Konzepte entwickle… Dann wird mich auch niemand als Inneneinrichtungstante buchen. Oder wir denken zurück an die Buchhalterin, die sich in ihrer Freizeit total passioniert für Umweltthemen einsetzt: Wenn in ihrer Stadt ein Umweltfestival stattfindet, aber niemand diese Person und ihr Engagement kennt, dann wird niemand sie fragen, ob sie einen Workshop bei diesem Festival abhalten möchte.

Menschen erreichen

Man muss es den Leuten einfach machen, dass sie von dir weitererzählen können. Möglichkeiten dafür sind z.B. das klassische mouth-to-mouth, wobei allerdings die Gefahr besteht, dass du nicht weißt, ob die Leute dich richtig verstehen und alles richtig wiedergeben. Beim Stille-Post-Spiel werden oft Details verdreht oder Informationen gehen verloren und ihr müsst das dann erstmal richtigstellen und ärgert euch dann.

Es ist schwer zu kontrollieren, was andere Leute über dich erzählen; deshalb ist es leichter, wenn du selber mit eigenen Inhalten von dir erzählst. Das kann eine Meinung sein, die du mit Argumenten belegen kannst, oder auch Info-Beiträge oder Tutorials. Dafür kannst du Publikationen als Gastautor*in auf einem passenden Blog nutzen oder einen Leserbrief an ein Magazin schicken. Oder – was wiederum noch kontrollierbarer ist – du erstellst eigene Publikationen, z.B. deinen eigenen Blog oder Podcast und kannst dafür sorgen, dass Leute auf den aufmerksam werden.

Zusätzlich gibt es natürlich noch Social Media und im besten Fall spielt das zusammen. Wenn du z.B. einen Blog hast, kannst du gleichzeitig über Social Media mit der Hilfe von Kommentaren, Hashtags oder Geotags auf dich und deinen Blog aufmerksam machen.

Darüber hinaus gibt es Earned Media, also dass jemand anderes über dich berichtet. Der Trick besteht bei Berichterstattungen immer darin, dass etwas passieren muss. Journalist*innen schreiben nicht einfach so über dich, sondern nur, wenn es etwas über dich zu berichten gibt, was für deren Zeitung relevant ist und einen Nachrichtenwert hat. Etwas Neues, Besonderes oder ein gewisses Maß an Prominenz.

Denken wir wieder an unsere Umweltaktivistin. Angenommen, sie würde bei einer Fridays for Future-Demo in der Großstadt auftreten und auf der Bühne einen Vortrag halten, wäre das der Lokalzeitung ihrer Heimatstadt sicher einen Artikel wert. Es muss wie gesagt etwas passieren, damit über dich berichtet wird und das einfachste ist dann, wenn du selbst etwas machst, sprich ein Passion Project.

#selbermachen: Passion Project als Methode für Personal Branding

Mit einem Passion Project kannst du deine eigenen Werte ausleben. Du kannst sagen, was dir wichtig ist, welche Themen dich inspirieren, was du blöd findest, wogegen du etwas tun willst. Das entspricht deinem Charakter, deinem Warum. Darin besteht die Basis – und dann schaust du, welche Skills du dafür einsetzen oder erweitern kannst, was deine Stärken und Schwächen sind. Die umweltaffine Buchhalterin startet einen Blog, in dem sie darüber berichtet, dass sie eigentlich ein Zahlenmensch ist und sich bisher nicht Umwelt befasst hat, jetzt aber ihre Passion für Naturschutz entdeckt hat und das mit anderen teilen will.

Es ist ganz wichtig, wie man teilt. Die eigene Art entscheidet darüber, wer einen mag und wer nicht. Und dann musst du alles zusammenführen. Wenn du etwas machst – einen Stammtisch oder ein Meetup organisieren, etwas moderieren, einen Workshop geben, etc. – hast du etwas, worüber du in einem Blog berichten kannst und kannst sogar auf der Metaebene über das Bloggen schreiben.

Ein Beispiel – die nachhaltige Designerin

Nehmen wir ein neues Beispiel mit dazu: Wir gehen von einer Junior-Designerin oder Designstudentin aus. Ihr Wissen, ihre Expertise und ihr Talent liegen im Bereich Design. Zusätzlich dazu hat sie einen ihr wichtigen Wert, z.B. Nachhaltigkeit. Sie könnte sich dann überlegen, wie sie das zusammenbringt: Vielleicht einen Blog schreiben oder einen Instagram-Account aufmachen und da über nachhaltige Designs sprechen? Zum Beispiel könnte sie darüber schreiben,  wie man Dinge nachhaltig verpacken kann oder welche nachhaltigen Materialien es gibt, was es bisher gab und welche Neuerungen auf den Markt treten, warum die cool sind und vielleicht auch noch gut aussehen. Das könnten die Themen für ihr Passion Project sein. Damit zeigt sie, wo ihre Interessen liegen und vernetzt sich mit der Szene, wird zwangsläufig passende Menschen kennen lernen, weil es vielleicht ähnliche Blogs gibt oder Designer ihr schreiben, dass sie ihren Account cool finden. Vielleicht bringt sie Menschen aus der Designerwelt Nachhaltigkeit näher und Menschen aus dem Bereich Nachhaltigkeit Design. Sie muss selber gar nicht unbedingt neue Designs erschaffen, sondern kann über Designs berichten („kuratieren“) und den Markt im Auge behalten. Sie macht sich dann einen Namen als nachhaltige Designerin.

Wenn sie dann nach dem Studium ihren ersten richtigen Job sucht oder den Job wechseln will, hat sie schon ein Netzwerk oder würde vielleicht einfach so Jobangebote oder Aufträge als Freiberuflerin bekommen. Selbst wenn das Blog-Passion-Project unserer Nachwuchsdesignerin keinen Job verschafft, wird ihr die Auseinandersetzung mit ihrer Passion (Nachhaltigkeit + Design) ganz viel Zufriedenheit geben. Vielleicht arbeitet sie bei einem Arbeitgeber, der auf Nachhaltigkeit nicht so viel Wert legt und ist damit eigentlich unzufrieden, kann es sich aber aus verschiedenen Gründen nicht leisten, zu kündigen – dann setzt sie sich zumindest in ihrer Freizeit mit ihrer Passion auseinander und bleibt am Ball in der Design-Szene.

Das Ganze ist vergleichbar mit ehrenamtlicher Arbeit. Die Designerin könnte genauso einem lokalen Nachhaltigkeitsverein beitreten und sich dort engagieren. Das hätte den Vorteil der sozialen Komponente, aber auch eine eingeschränkte Selbstbestimmung. Wenn sie im Verein einen Aktionstag zu nachhaltigem Design veranstalten möchte, finden die Vereinsmitglieder das eventuell nett, wollen aber vorher erstmal noch dieses und jenes machen, weil ihnen Design nicht so wichtig ist. Mit einem Passion Project kann sie genau das machen, was ihr wichtig ist und Spaß macht und sich komplett ausleben.

Passion Project ungleich Selbstständigkeit

Nochmal: Ein Passion Project ist kein Business. Es kann irgendwann dazu führen, muss aber nicht. Zu einem Business gehört ein umfangreiches Konzept mit Businessplan und Geschäftsmodell. Dazu gehören organisatorische und finanzielle Planungen. Ich plädiere immer dafür, ein Passion Project nicht (direkt) zu monetarisieren. Über den Weg eines Passion Projects sofort in eine Geschäftsschiene zu wollen, finde ich eher ungeschickt. Es ist sinnvoller, sich erst einen Namen zu machen und das dann als Basis zu nutzen.

Jetzt denkst du dir vielleicht: Ich möchte aber als nachhaltige Designerin Geld verdienen. Ist es dann nicht ein Umweg, wenn ich das erst als Passion Project mache? Kann ich mir nicht direkt eine eigene Webseite erstellen und damit versuchen, Geld zu verdienen? Ja, das könntest du. Was ich aber bei mir selbst und anderen beobachtet habe: Dir ist nicht von Anfang an klar, wie du dich als Personal Brand positionieren möchtest. Klar, die Basics der Werte und so weiter kennst du, aber in welche Richtung das genau gehen soll und was für eine Dienstleistung oder was für ein Produkt du anbieten möchtest, weißt du vielleicht noch gar nicht. Dann fällt es dir super schwer, da komplett einzusteigen.

Ich rate Freund*innen immer dazu, sich eine Domain mit ihrem Vor- und Nachnamen zu sichern und sich ein Portfolio zu erstellen. Das machen die vielleicht auch, wissen dann aber gar nicht, was sie da genau machen sollen und das ist auch super schwer. Es fühlt sich sehr endgültig an. Man hat das Gefühl, dass man sich dafür entscheidet, wofür man mit seinem Namen steht. Diese Endgültigkeit ist aber ein Stück weit eine Illusion und man kann sich immer dazu entscheiden, einen anderen Weg einzugehen. Das machen Promis auch, dass sie einen Imagewandel durchmachen und z.B. von TrashTV zu Seriosität wechseln.

Wenn ich mich als nachhaltige Designerin positioniere, heißt das nicht, dass ich das so machen muss bis ich 70 bin. Aber es fühlt sich so an. Deswegen mag ich den Umweg über ein Passion Project, weil es ein Teil von dir ist, aber nicht alles. Es ist nicht gleichbedeutend mit deiner Identität. Deswegen glaube ich, dass es einfacher ist, sich erstmal nur für ein Projekt zu definieren: Ich blogge über nachhaltiges Design.

Außerdem hat man nicht das Gefühl, dass man sich selbst verkaufen muss. Als nachhaltige Designerin brauche ich Aufträge und muss mich anderen Leuten anbieten, um Geld zu verdienen. Sich selbst zu pitchen ist wahnsinnig schwierig! Wenn ich aber „nur“ ein Passion Project habe, muss ich nichts verkaufen, weil ich nichts zu verkaufen habe. Ich möchte nur, dass Leute meinen Blog lesen. Das ist eine andere Kommunikationsbasis und es ist viel einfacher, sich in diese Richtung zu pitchen. Wenn ich meinen Blogartikel in einer Facebookgruppe für Design teile, weiß ich schonmal, dass da ein gewisses Interesse besteht und kann mich leichter vernetzen. Nach einer Weile kann ich daraus Selbstbewusstsein schöpfen, um mich (=meine Dienstleistungen und Produkte) vielleicht in Zukunft tatsächlich zu verkaufen. Wenn ich im Rahmen des Projekts schon bei Veranstaltungen in Panels gesprochen habe und ich plötzlich für einen bezahlten Workshop angefragt werde, zweifle ich weniger an mir, weil ich schon Erfahrung habe.

Was denken andere von mir, wenn ich mich für ein Thema brande?!

Ihr kennt mit Sicherheit Leute, die ein abgedrehtes Hobby haben wie Briefmarken sammeln. Ihr findet das langweilig, aber die reden mit einer unglaublichen Passion von einer seltenen Briefmarke und finden das total faszinierend. Selbst wenn ihr diese Begeisterung absolut nicht nachvollziehen könnt, freut ihr euch für die andere Person und darüber, dass sie darin so aufgeht. So ähnlich ist das, wenn man jemanden trifft, der ein Passion Project aufgebaut hat. Man merkt, dass die Person dafür brennt und sich freut, dass sie vielleicht schon Erfolge erzielt oder tolles Feedback bekommen hat. Selbst wenn da Thema fremd ist – es ist einfach schön zu sehen. Und wenn man darüber nachdenkt, nimmt einem das vielleicht ein bisschen die Angst, mit der eigenen Passion nach draußen zu gehen, weil wir wissen, dass sich auch Leute, die sich für unser Thema nicht interessieren, einfach für uns freuen.

Wenn dir die Vorstellung schwerfällt, dich komplett als Person zu branden, kann ich das verstehen. Und dann ist es vielleicht einfacher, erstmal über ein Passion Project einen Teil deiner Identität zu einer Brand zu machen. Dadurch lernst du ganz viel, erlangst mehr Selbstbewusstsein, entwickelst neue Fähigkeiten und bildest ein Netzwerk. Das kann ein Teil deiner Personal Brand werden.

Das Passion Project ist nicht komplett deine Identität, weil da noch Teile deiner Persönlichkeit sein werden, die nichts mit Nachhaltigkeit haben, wie deine Berufstätigkeit und andere Interessen, die du zu Passion Projects machen könntest. Es gibt Überschneidungen der einzelnen Teilbereiche und deshalb sind Passion Projects ein super Schritt, um einen Teil von sich selbst zu einer Personal Brand zu machen und zu üben, wenn man sich noch nicht vollständig branden will.


Wenn du dich für Personal Branding interessierst und im Rahmen deines Passion Projects in diese Richtung gehen willst, folge mir auf Instagram oder abonniere meinen Newsletter. Ich bin nämlich gerade dabei, da etwas zu entwickeln. Bis dahin kannst du dir schonmal Notizen machen, wer du bist, wofür du stehst und welche Meinungen du hast.

Hi, ich bin Kato! Ich unterstütze dich als Mentorin bei deinem Passion Project.